IKG – Internationales Künstlergremium

Das Internationale Künstlergremium/IKG ist entsetzt und erschüttert über die beispielslosen Gewaltexzesse des belarussischen Sicherheitsapparats nach dem Wahlsonntag am 9. August. Tausende Menschen wurden verhaftet, in der Gefangenschaft unmenschlich behandelt, misshandelt – und von vielen fehlt seither jede Spur.
Trotz der brutalen Gewalt und der willkürlichen Verhaftungen von mittlerweile mehr als 7000 Menschen, mit der der autokratische Präsident von Belarus auf die friedlichen Proteste gegen seine Wiederwahl reagiert, überwinden die Menschen ihre Angst und beweisen in der mittlerweile sehr breiten Bürgerbewegung, dass sich der Wunsch nach Freiheit nicht länger unterdrücken lässt.  Jahrzehntelang wurde in Belarus Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit unterdrückt, heute demonstriert ein Volk, das 26 Jahre lang nicht sagen durfte, was es will. Als Reaktion auf diese Selbstermächtigung wird der Widerstand mundtot gemacht, abgetötet, getötet. Nur mit den Mitteln seines repressiven Polizeistaates hält sich Aljaksandr Lukaschenka noch an der Macht.
Gerade die Kunstfreiheit, für die sich das IKG einsetzt, war immer schon der Gradmesser demokratischer Freiheit. Menschenwürde, Kultur, offene Gesellschaft und Demokratie hängen eng miteinander zusammen. Die Konfiszierung ganzer Sammlungen, die Sperrung des Internets, die Unterdrückung des freien, auch künstlerischen Schaffens sind Symptome barbarischer Engstirnigkeit, der die Furcht vor den humanen Potenzialen im Nacken sitzt.
Wenn heute viele der mutigen Demonstrantinnen und Demonstranten das beschlagnahmte Gemälde EVA von Chaim Sutin auf dem T-Shirt tragen, wird Kunst als hartnäckiges Analogon zur Freiheit sichtbar: In der Kunst kristallisiert sich die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung zur Form.  Die Belarussen lassen sich nicht mehr betrügen und einschüchtern.
Das IKG unterstützt die Demokratiebewegung in Belarus und die Forderung nach dem Rücktritt Alexander Lukaschenkas. Wir verurteilen die Gewalt und die Unterdrückung der Menschenrechte und appellieren an die Machthaber, die Zeichen der  Zeit zu erkennen, die Repression zu beenden  und endlich freie, faire und transparente Wahlen in Belarus zu ermöglichen.

Für das IKG: Dr. Dorothée Bauerle-Willert, Präsidentin

Video des Filmemachers Jurij Chaschtschewatski an Klaus Staeck

Wegen der Corona Pandemie wird das für dieses Jahr in Brno, Tschechien geplante Jahrestreffen auf 2021 verschoben. (Organisation: Ina Bierstedt, Terezie Petišková).

Die IKG Mitgliederversammlung fand im großen Sitzungsraum des ZAK, Zitadelle Berlin-Spandau am 3.10.2020 um 12.00 statt. Es gab die Möglichkeit der digitalen Teilnahme.